Energie-Effizienz: Wie lässt sich die Energierechnung senken?
Mittwoch, 1. Oktober 2008 von 9 bis 12 Uhr Konferenz vom 1.Oktober 2008.
Energie-Effizienz in der Industrie: Wie die Energiekosten gesenkt werden können
Moderation: Alain Chardon


Die Energiesparpläne

Beitrag von Bénédicte Dolidzé, Mitglied der Generalvertretung für Innovation und Nachhaltige Entwicklung bei der RATP (Verkehrsbetriebe):

Zunächst ist folgendes festzustellen: Seit 2004 hat das Unternehmen seinen Energieverbrauch stabilisiert und seine Produktion gesteigert. Zwar sind Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen die schadstoffärmsten Fortbewegungsmittel, aber dennoch ist die RATP ein großer Energieverbraucher (214 kilotep für 2007). Das liegt nicht allein an den Bussen oder den elektrischen Zügen, auch die Gebäude und die Beleuchtung tragen viel dazu bei. Man muss daher die Probleme in ihrer Vielfältigkeit angehen, wobei das Ziel feststeht: Reduktion des Energieverbrauchs um 5 Prozent in 2010 und um 10 Prozent in 2020.

Um dieses Ziel zu erreichen, laufen seit 2006 vier operationelle Aktionspläne. Sie betreffen gleichmaßen den Busverkehr, den Schienenverkehr, die Stationen und Bahnhöfe sowie die Gebäude. Durch diese Maßnahmen werden bis zum Jahre 2010 12000 tep Energie und 21000 Tonnen CO2 eingespart. Es werden zum Beispiel Züge erneuert, wobei die beim Bremsen entstehende Energie zurückgeführt und wieder nutzbar wird. Die ökologische Herausforderung besteht in der Schaffung eines sparsamen Busbetriebs. Im Jahre 2009 werden Busse mit Hybridantrieb getestet, und die kontroverse Frage der Biokraftstoffe wird aufgeworfen. Elektro-lumineszierende Dioden werden die Stationen, die größtenteils mit Elektronik ausgestattet sein werden, mit Licht versorgen. Die Auslastungs-Quote der Dienstleistungsgebäude wird optimiert werden.
Dies sind, neben anderen, die Maßnahmen, die die RATP umsetzen will, um bis 2020 ihren Energieverbrauch konsequent zu senken.
Das Unternehmen, das sich der Komplexität dieses Themas bewusst ist, beabsichtigt, die Arbeit auf allen diesen Feldern zu unterstützen, um ihren Energieverbrauch insgesamt zu reduzieren.

Beitrag von Joel Mercelat, Vizepräsident und technischer Direktor der Legrand-Gruppe (Elektrobranche):

Das Projekt Climact wird in  Frankreich ebenso wie im Ausland entwickelt. Es organisiert sich, indem es Aktionen mit dem Planungsbüro "Immobilier Groupe" durchführt und dann, indem es vor Ort mit den Firmen in Austausch tritt. Diese Ansätze zielen darauf, den Energieverbrauch – bei gleich bleibender Leistung – zu optimieren und die Verbrauchskomponente bei der Wahl neuer Verfahren mit einzubeziehen.
Vor Ort wird das Kaizen-Verfahren angewendet, dessen Devise lautet: "Schnell und grob anstatt langsam und elegant". Das Experiment ist zuerst auf dem Gelände von Saint Junien ausprobiert worden, einer Fabrik im Limousin mit 200 Beschäftigten, wo die Kaizen-Gruppe eine Woche verbracht hat. Die auf dem Gelände entdeckten Fälle von Energieverschwendung dienten zur Ausarbeitung eines "Praktischen  Leitfadens über das Energiesparen". Durch das Handbuch wird es möglich sein, dass auch andere Firmen über den Erfahrungsaustausch profitieren.
Folgende Ergebnisse sind in einer Woche erreicht worden: Beim Strom wurden 6 Prozent, beim Gasverbrauch 4,5 Prozent eingespart.
Die Methode besteht darin, zuerst die Firmenaktivitäten samt der dafür notwendigen Energie aufzulisten und dann alle Verschwendungen zu erfassen. Danach müssen Maßnahmen im Hinblick auf Temperatur, Beleuchtung, Druckluftaustritt auf den Weg gebracht und das Verbrauchsprofil des Standorts eingeschätzt werden. Nachdem die verschiedenen Aktivitätsbereiche auf Verschwendungen analysiert worden sind, werden schließlich konkrete Lösungsvorschläge gemacht. Mit diesen Ergebnissen lässt sich ein praktischer Ratgeber erstellen.
Man muss sich vor allen Dingen mit den verschiedenen Funktionsweisen der Betriebseinrichtungen vertraut machen. Dies geschieht hauptsächlich über die Ausbildung des Personals. Das gesamte Verfahren versteht sich überaus konkret und praxisnah.
Außerdem müssen sich die Ideen des Projekts Climact auch auf die Kundschaft des Unternehmens erstrecken. Anders gesagt, dieses muss in der Lage sein, Lösungen anzubieten.
Bei der Beleuchtung können beispielsweise durch das Lighting Management Mosaic 35 Prozent Energie eingespart werden. Lösungen für Industrie und Dienstleister werden ebenfalls angeboten: den Energiequellen-Umschalter, harmonische Filter, Kompensation reaktiver Energie…
Anstatt also ein zu ehrgeiziges und unrealisierbares Projekt zu verfolgen, wendet das Unternehmen Legrand eine einfache und pragmatische Methode an.

Beitrag von Frédéric Petit, Direktor der Sektor-Abteilungen bei Siemens:

Die Industrie muss sich heute mit verschiedenen Zwängen auseinandersetzen. Der steigende Energiepreis beeinträchtigt die Investitionsleistungen der Unternehmen, die darüber hinaus Maßnahmen zur Energieeinsparung umsetzen müssen, um die Vorgaben des Umwelt-Grenelles (französische Umweltkonferenz) einzuhalten.
In der Industrie entfallen 75 Prozent des Energieverbrauchs auf den Stromantrieb. Doch wenn Motoren mit hohem Wirkungsgrad zum Einsatz kommen, sind die Energieeinsparungen beträchtlich. Wenn man zudem bei der Kostenrechnung für den Kauf eines Motors die Kosten für den Lebenszyklus veranschlagt und nicht den Kaufpreis allein, wird der Motor mit hohem Wirkungsgrad interessant. Er ist sehr rentabel, weil er Einsparungen über eine sehr viel geringere Energierechnung ermöglicht.
Die Gewohnheit, den Energieposten im Auge zu behalten, ist ein geeignetes Mittel, um die Energieausgaben zu reduzieren und zu kontrollieren, aber auch um den Verbrauch transparent zu machen. All dies führt  zu einem bewussten und vernünftigen Umgang mit Energie.
Es gibt folgende Kontrollelemente: Bestandsaufnahme, Analyse, Planung, Ausführung und Nachhaltigkeit. Der ROI (Return of  Investment), der bei Kontrolle und Optimierung industrieller Ausrüstung zentral ist, errechnet sich auf drei Handlungs-Ebenen. Zuerst die schnellen und einfachen, mit wenig Geld durchzuführenden Maßnahmen, danach einfache Modernisierungsmaßnahmen. Diese ersten beiden Ebenen spielen sich in kurzfristigem Zeitrahmen ab. Die dritte Ebene umfasst komplexe und längerfristige Methoden, die Investitionen erfordern. Die Energie-Kontrolle ermöglicht Einsparungen, mit denen in das investiert werden kann, was dem Unternehmen schließlich Gewinn bringen wird.
Die Biomasse ist ein Lösungsbeispiel, das vor allem in der Papierindustrie zur Anwendung kommt. Sie besteht in einer Wiederverwendung verschiedener Abwasserarten, wobei diese in Heizöl umgewandelt werden. Die Abfälle bilden einen Teil der industriellen Energiekosten.

Bei den erneuerbaren Energien ist die Windkraft auf starkem Wachstumskurs. Siemens ist an der Errichtung eines Windparks mit 11 Windrädern in Frankreich beteiligt. Ein anderes innovatives Projekt ist die Installation einer kombinierten Gas-/Dampfanlage mit 530 MW bis März 2009.

Fragen zu diesen Ausführungen

Zum Thema der vorgeschlagenen Lösung in der Papierindustrie: Herr Petit präzisiert, dass es sich um einen Prozess handelt, der keine Investition erfordert, sondern sich bereits bestehender Produktionssysteme bedient.
Es wurde die Frage nach staatlicher Hilfe aufgeworfen. Der Umwelt-Grenelle hat die Bedeutung des Verbrauchs von Motoren in der Energierechnung eines Unternehmens nur am Rande erwähnt. In den Genuss von Subventionen kommen die Nutzer von Motoren mit hohem Wirkungsggrad. Der Hauptaspekt ist hier die Rentabilität, die zur Verwendung dieses Motortyps veranlassen wird.
Die Befürchtungen, die der Gebrauch von Motoren mit hohem Wirkungsgrad oder anderer Technologien (z.B. die Frequenzumrichter) hervorgerufen hat, sind wirklich unbegründet. Wie Herr Petit präzisierte, haben die Hersteller kein Interesse daran, ein unzuverlässiges Produkt anzubieten. Das Wichtigste ist, Vertrauen zu haben.
Das von dem Unternehmen vorgeschlagene Kaizen-Verfahren zeigt bereits nach einer Woche sehr positive Resultate, doch was geschieht über einen längeren Zeitraum? Um einen Rückfall zu verhindern, muss man die Kaizen-Wochen regelmäßig wiederholen. Dennoch bleibt der Ansatz überaus wirksam: Die kleinen Aktion werden, wenn sie sich addieren, nachhaltige Wirkung haben.
Die französischen Tarife sind reguliert, doch gibt es Länder, die weiter gehen? Nach Meinung von Herrn Mercelat sollte man, anstatt abzuwarten, sich lieber den noch nicht erwähnten Stromquellen, den grundlegenden Dingen zuwenden. Die RATP möchte dazu beitragen, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Die ganze Welt wird sich über das Positive, das in diesem Ansatz liegt, einig werden: Die Bevölkerung ist noch nicht genug einbezogen und informiert. Jedenfalls bleiben, wie Herr Petit betont, die staatlichen Betriebe in Frankreich verschlossener als in manchen skandinavischen Ländern, auch wenn Frankreich sich zu bewegen beginnt.
Die Frage, ob sich ein Markt dafür entwickeln wird, kann eindeutig positiv beantwortet werden. Es gibt ein großes Potenzial, man muss die Menschen hinführen und ausbilden, man muss die Investoren beraten und Lösungen anbieten.

Den Anbieter wechseln

Beitrag von Paul Ravetto, Anwalt bei der Pariser Anwaltskammer, Spezialgebiet Energierecht:

Beim Strom-Einzelhandel sind die Abnehmer zu  97 Prozent im reglementierten Tarif, 0,01 Prozent sind im Tarif TarTAM (der die Energiekunden vor steigenden Marktpreisen für Gas und Elektrizität schützt), 1,3 Prozent werden von ihrem alten Anbieter und 1,8 Prozent von einem alternativen Anbieter versorgt.
Beim nicht-privaten Strom-Einzelhandel ist die Aktivität stabil. Anders gesagt: Die Wechselbewegungen zwischen alten und alternativen Anbietern waren in den letzten zwei Jahren nur unbedeutend.
Das Gesetz garantiert dem Verbraucher die Möglichkeit, zwischen dem reglementierten Markt und dem freien Markt zu wechseln. Der wichtigste Grund, zu einem anderen Anbieter zu wechseln, ist der Preis.
Beim Strom-Großhandel bleiben die Volumen begrenzt. Wechsel werden in gegenseitigem Einvernehmen gemacht. Die französischen Preise folgen den deutschen.
Die Anbieter sind nur selten in allen Kundensegmenten vertreten.
Je nach Kundensegment variiert die Möglichkeit, den Wechsel von einem Sektor zum anderen rückgängig zu machen. Die industriellen Verbraucher unterliegen dem Prinzip der Unumkehrbarkeit, während die Privatverbraucher sich wieder neu entscheiden können. Beim Gas hingegen ist jede Entscheidung definitiv.
Der Tarif TarTAM steht seit dem Gesetz vom 7. Dezember 2006 allen offen. Seit August 2008 werden die Kunden mit diesem Tarif bis zum 1. Juli 2010 davon profitieren können.

Fragen zu diesem Thema

Es kommt vor, dass Anbieter manche Kunden, die den TarTAM-Tarif abgeschlossen haben, ablehnen. Da der Beitrag für den öffentlichen Stromdienst (CSPE) eine Obergrenze hat, fürchten die Anbieter, als Verlierer dazustehen. Nach Meinung von Herrn Ravetto sorgt die Berechnung dieser Obergrenze (die sich nicht am Marktpreis orientiere) für Diskussionsstoff. Es geht darum, diese Grenze neu zu bestimmen, um einen vollständigen Ausgleich zu garantieren, der die Risiken begrenzt.
Die Öffnung des Gas-Marktes sorgt für Fragen: Welche Vorteile habe ich durch einen Anbieter-Wechsel. Die meisten Wechsel werden mit interessanteren Preisen begründet, doch es gibt auch andere Gründe: Vertragsart und verschiedene Vertragsdetails können ebenfalls interessante Argumente sein.