Initiator und Moderator der Debatte ist Pierre Reboul, Präsident der ELENBI. Er stellt folgende Sprecher vor:
- Benoît Gabrielle, Forscher bei AGROTECH GRIGNON
- Jean-François Gruson, Leiter des Bereiches Wirtschaft bei IFP (Öffentliche Forschungseinrichtung Energie und Umwelt)
- Pierre Macaudiere, Verantwortlicher des Bereiches Kraftstoffemission und umweltgerechte Entsorgung bei PEUGEOT CITROEN,
- Bernard Chaud, Leiter des Projektes Biokraftstoffe bei TEREOS vertreten durch Jérôme Bignon, Leiter der Beziehungen innerhalb französischer und europäischer Administration bei CRISTAL UNION und Direktor von FCB-UCB (Zuckerrüben-Kooperative)
- Valérie Callaud, Verantwortliche der Mission Biokraftstoff bei TOTAL.
Die Typologie von Biokraftstoff
PEUGEOT CITROEN erläutert die zwei Sektoren, Benzin und Diesel, in denen Biokraftstoffe zum Einsatz kommen. Das Benzin wird dabei mit Ethanol (EtOH) gekoppelt, das in Europa durch Enzyme aus der Rübe oder aus Getreide gewonnen und in Brasilien aus Zuckerrohr hergestellt wird. Der Diesel wird mit Glyzerin aus der chemischen Industrie (EEAG) oder aus der Futtermittelgewinnung (EMAG) gekoppelt, deren Verbrennung jedoch nicht optimal ist. Die Biokraftstoffe der zweiten Generation sind bereits in der Erforschung, wie das NexBTL, das aus der Hydration aus pflanzlichen Ölen gewonnen wird, und das aus fester Biomasse synthetisierte BtL (Biomass to Liquid). Beide Stoffe sind von ausgesprochen guter Qualität.
Laut TOTAL betrug 2006 die weltweite Biokraftstoffnutzung 12% des gesamten Verbrauchs von Kraftstoffen (bei einer Totalen von 20 Mt). Der Verbrauch von Fahrzeugkraftstoffen liegt in den USA bei 39%, in Asien bei 27% und in Europa bei den restlichen 34%.
Mit der Förderung von Biokraftstoffen werden drei Ziele verfolgt. Zum einen soll damit die Emission von Treibhausgasen eingeschränkt werden, zum anderen werden damit neue Absatzmärkte im Landwirtschaftssektor geschaffen. Darüber hinaus soll die Abhängigkeit von Erdöl reduziert werden.
Heute entspricht die Verwendung von Biokraftstoffen in den USA 2%, in Brasilien 13% und in Europa 1,5%.
Sind die Biokraftstoffe für den Preisanstieg bei Lebensmitteln verantwortlich?
Laut TEREOS lässt sich der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln nicht allein mit der Förderung und Entwicklung von Biokraftstoffen begründen. Man muss dabei im Auge behalten, dass der Erdölpreis schneller ansteigt als der Preis der landwirtschaftlichen Produktionsgüter. In den 70er Jahren war dies noch nicht der Fall. Wir erleben heute eine Phase vieler Naturkrisen, weshalb der Lagerbestand an Nahrungsmitteln außergewöhnlich niedrig ist. Die Preise sind dementsprechend hoch.
Laut Georges Vermeersh von SOFIPROTEOL hat das Besteuerungssystem in Deutschland sich weiterentwickelt und die Zuschüsse angepasst. Die Entwicklung der Biokraftstoffe wird wohl einen Einfluss auf die Steigerung der Nahrungsmittelpreise haben, jedoch erklärt sich dieser Anstieg ebenso aus der starken Nachfrage asiatischer Länder aufgrund schlechter Ernteerträge.
Dieser Aussage widerspricht die INRA (Landwirtschaftliches Forschungsinstitut). Demnach sind die erhöhten Preise der Nahrungsmittel nicht ausschließlich auf die hohe Lebensmittelnachfrage der asiatischen Länder zurückzuführen. Unterschiedliche Faktoren sind zu berücksichtigen, wie der Konsum von Getreide und Mais, deren Kosten steigen. Es handelt sich wohl also um einen Markteffekt, der innerhalb der Preismarge nicht vernachlässigt werden kann.
Werden weitere Probleme hinzukommen? Wie wird die Zukunft der Industrien innerhalb der Erdölchemie aussehen?
TEREOS weist darauf hin, das im Bereich der Ethanolproduktion der anvisierte Markt selbstverständlich der Kraftstoff-Markt sein wird. Somit wird der gesamte Markt der Erdölchemie nicht vollständig betroffen sein.
Laut TOTAL steigt die Nachfrage nach Biokraftstoffen immer mehr an. Es muss daher unbedingt ein ausgeglichener Verbrauch der Rohstoffe geschaffen werden.
Energetischer Wirkungsgrad & Herstellung
TEREOS macht darauf aufmerksam, dass in Frankreich eine Milliarde Euro in Bioethanol investiert wird.
Eine Tonne auf einen Hektar bezogen:
- das Zuckerrohr ergibt 3,2 Netto-Energiepunkte, und eine Ratio von 8
- Die Rübe (fossiler Brennstoff) erbringt eine Netto-Rendite von 3,2 Punkten und eine Ratio von nur 2,3
- Die Rübe, (erneuerbarer Brennstoff), ergibt eine Rendite von 3,8 Netto-Punkten und einen Ratiowert von 10,5
- Die Pflanze der sogenannten zweiten Generation, die Miscanthus, wird einen Netto-Energiewert von 3,5 aufweisen, sowie eine Ratio von 12. Diese sehr große Pflanze ist langlebig, sie hat einen Lebenszyklus von etwa 20 Jahren, jedoch benötigt sie große Flächen und sehr viel Wasser.
Die Normen entsprechen dem der Analysen zu den Lebenszyklen. Wie aus den Forschungsarbeiten des Umweltgipfels hervorgeht, sind folgende Punkte zu vereinbaren: Eine bessere Verwaltung der Bodenzuordnung, die Notwendigkeit von Normen bezüglich Oxydul und Stickstoff sowie die Herstellung eines Neben-Produkts als Futtermittelgewinnung.
Wie sieht die Bilanz im Hinblick auf die Treibhausgase aus?
Mit dem Einsatz von Biokraftstoffen sind erhebliche Reduzierungen bei der Emission von Treibhausgasen zu erwarten. Man muss wissen, dass die Emission bei Benzin auf 83,8g CO2 pro MegaJoule (MJ) geschätzt werden, während auf ein MJ Ethanol geschätzte 60% weniger an Treibhausgas-Emission freigesetzt werden als bei Benzin. Europaweites Ziel ist es, die Treibhaus-Emissionen um 35% zu senken.
Hält man an einem Konsens bei den Lebenszyklus-Analysen fest?
Laut TEREOS ist klar und deutlich darauf hingewiesen worden, dass man zunächst einen zusätzlichen Energiebeitrag leisten möchte. Für AGROTECH GRIGNON bedeutet eine Umweltbilanz eine reine Schätzung, da für die Nutzung von einem Hektar angebauter Biomasse 0,8 Hektar der Savanne urbar gemacht werden müssen. Dies würde weitere Umweltproblematiken nach sich ziehen.
TEREOS zweifelt diese Umweltbilanz nicht an, erinnert jedoch daran, dass beispielsweise 14 Mio Tonnen Zucker in Europa produziert werden, anstatt der 22 Mio davor, um den Entwicklungsländern auf diese Weise unter die Arme zu greifen. Man sollte sich also umorientieren und die brach liegenden Flächen zum Anbau von Bioethanol verwenden.
Biokraftstoffe der zweiten Generation: BtL oder synthetisierte Brennstoffe
AGROTECH GRIGNON erklärt, dass zur Realisierung von Biokraftstoffen land- und forstwirtschaftliche Abfallprodukte verwendet werden, die auf thermochemischem Wege verändert, in synthetische Gase transformiert und so in Kohlenwasserstoff verwandelt werden und mit Dieselkraftstoff vermischt werden können. Ebenso gut können auf biochemische Weise Pflanzenkulturen für die Biokraftstoffgewinnung transformiert werden. Beispielsweise wird durch die Fermentation von Zucker Ethanol gewonnen, welches wiederum dem Benzinkraftstoff beigemischt wird.
Laut PEUGEOT CITROEN gibt es keine Veränderung zwischen dem Ethanol der ersten und dem der zweiten Generation, da die chemische Form des Ethanols unverändert bleibt. Die neuen aus der Synthese gewonnenen Brennstoffe sind von hervorragender Qualität. Sie enthalten keinen Schwefel und haben einen sehr guten Verbrennungsgrad. Eine Normalisierung der Produkte der ersten Generation ist notwendig ebenso wie eine Rationalisierung der Produktionspreise von Produkten der zweiten Generation.
AGROTECH GRIGNON weist darauf hin, dass eine wichtige Palette von pflanzlichen lignocelluloseartigen Stoffen für die Biokraftstofffgewinnung verwendet werden kann. Darunter fallen z.B. Sorghum (Hirseart), Miscanthus, Rüben, Algen, Abfallprodukte der Ernte und der Land- und Forstwirtschaft.
Bei der Miscanthus-Pflanze kann im Winter mit einem Ertrag von 12 Tonnen und im Herbst mit einem Ertrag von 25 Tonnen Trockenmaterie gerechnet werden. Dies entspricht einem TOE (Tonnen-Öl-Equivalent) von 4,0/ha im Winter und einem TOE von 6,2/ha im Herbst.
Wo liegen die Probleme?
Um die obengenannten Erträge zu erzielen, werden ausreichende Flächen benötigt. Man arbeitet bereits an Lösungen, um die notwendige Flächengröße zu reduzieren. Die Lösungsmodelle sehen vor, die Erträge zu erhöhen und alle Pflanzenteile zu nutzen, also aus der Pflanze einen Rohstoff herzustellen, der so wenig wie möglich raffiniert wird, um den Ertrag bei der Energieumwandlung zu maximieren. Außerdem muss die Palette der beweglichen Ressourcen erweitert werden, man muss eine Landparzelle für unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten verwenden (Beipiel: Land-Forstwirtschaft, Säuberung von Wasser sowie Weidenbepflanzung..), desweiteren können ungeeignete Böden zur Nahrungsmittelproduktion genutzt und die Abfälle / Nebenprodukte aufgewertet werden.
Laut IFP ist es irreführend zu glauben, dass die Abfälle aus der Landwirtschaft als Bioenergie-Ressourcen ausreichen könnten, um Erdöl zu ersetzen. Pflanzen müssen auf Böden angebaut werden, die eine geeignete Bodenbeschaffenheit aufweisen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass zur Regenerierung des Bodens nicht der gesamte Pflanzenabfall entfernt wird. Es sei vermerkt, dass in Frankreich heute 43 Mio Tonnen Kraftstoff verbraucht werden. Die Biomasse kann noch längst nicht diese erforderliche Quantität aufbieten.
Warum stellt man nicht direkt gasförmige Kraftstoffe her?
Laut IFP bleibt die flüssige Form eines der am leichtesten zu verwendenden und zu transportierenden Elemente. Ein Gas benötigt dagegen ein spezielles Transportnetz, das zum heutigen Zeitpunkt nicht existiert. TOTAL fügt hinzu, dass es zwei Arten des Gastransportes gibt, einmal via Ferngasleitung, zum anderen über die Verflüssigung, sprich durch Rückführung zur flüssigen Form.
PEUGEOT CITROEN präzisiert, dass das Problem in der Eigenständigkeit des verladenen Gases (bei 150km etwa) besteht, dies hat erhöhte Tankfüllungen und unzufriedene Kunden zur Folge.
Politische Situation
PEUGEOT CITROEN plädiert für eine 10-jährige Übergangsphase, während der noch vorwiegend die internen Verbrennungsmotoren zur Verwendung kommen sollten. Dies werde auch von Europa forciert, welches einen reduzierten CO2-Aussstoß von 120g/km bis zum ersten Januar 2012 vorschreibt.
Ebenso werden die Motoren fortlaufend verbessert, um einen Aussstoß von 130g/km zu erreichen, wovon eventuell 10g/km aus zusätzlichen Maßnahmen stammen könnten, die nicht in Zyklen messbar sind, wie die Biokraftstoffe, die Klimatisation oder Bordcomputer. Im Fall der Nichtbeachtung der Gesetzgebung drohen ernste Sanktionen: im Jahr 2012 werden 20,- Euro Strafe pro die Richtwerte übersteigendes Gramm CO2 fällig, im Jahr 2012 werden es 35,- Euro sein, 60,- Euro im Jahr 2014 und 95,- Euro im Jahr 2015.
PEUGEOT CITROEN steht mit seinen 140 g/km ausgestoßenem CO2 pro Fahrzeug im Vergleich zu den anderen Fahrzeugherstellern in Europa hervorragend da.
TOTAL zufolge hat die europäische Direktive zwischen 2003 und 2010 den Biokraftstoffen 5,75% an Netto-Heizwert zugestanden und gleichzeitig 27 unterschiedliche Gesetzgebungen in Kraft gesetzt. Eine Harmonisierung der europäischen Gesetzgebungen zu Gunsten der Biokraftstoffe ist notwendig. Dies erlaube zudem die Kosten zu senken. Zum heutigen Zeitpunkt zeigt sich eine sehr aufgesplitterte gesetzliche Situation. Dies benachteiligt den Verbraucher.